Verminderte körperliche Aktivität und langes Sitzen stehen im Zusammenhang mit Fettleber bei Menschen mit HIV

Körperliche Aktivität spielt eine wichtige Rolle bei der Regulierung der Fettspeicherung in der Leber und kann das Risiko für eine Fettleber verringern – eine Erkrankung, bei der sich Fett in der Leber ansammelt. In einer Studie der Schweizerischen HIV-Kohortenstudie (SHCS) wurde der Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität und Fettleber bei Menschen mit HIV untersucht.

Eine Fettleber wurde mittels Fibroscan gemessen, einer nichtinvasiven Methode zur Bestimmung des Leberfettanteils. Die körperliche Aktivität der Teilnehmenden wurde mithilfe eines standardisierten Fragebogens erfasst. Dabei wurden unterschiedliche Messgrössen berücksichtigt: ob die Empfehlungen der European Association for the Study of the Liver (EASL) erfüllt wurden, die durchschnittliche tägliche Sitzzeit sowie die Anzahl der metabolischen Äquivalente (MET) pro Woche. Das MET ist eine Masseinheit, mit der der Energieverbrauch bei verschiedenen Aktivitäten verglichen werden kann.

Rund die Hälfte der Studienteilnehmenden wies eine Fettleber auf. Die Ergebnisse zeigten, dass Personen, die die Empfehlungen für körperliche Aktivität nicht erfüllten, ein doppelt so hohes Risiko für eine Fettleber hatten. Vergleichbare Zusammenhänge zeigten sich auch bei den anderen Messmethoden, also bei der wöchentlichen Anzahl der metabolischen Äquivalente sowie bei der täglichen Sitzzeit. Diese Assoziationen blieben ebenfalls bestehen, wenn die Analyse auf Teilnehmende mit einem normalen Body-Mass-Index beschränkt wurde. Die Resultate unterstreichen damit die Bedeutung körperlicher Aktivität zur Vorbeugung einer Fettleber bei Menschen mit HIV – unabhängig vom Körpergewicht.

Die Schweizerische HIV-Kohortenstudie ist eine Zusammenarbeit von Spitälern und behandelnden Ärzt:innen in der Schweiz, die Menschen mit HIV betreuen. Seit 1988 wurden über 22 000 Menschen mit HIV begleitet, ihre Gesundheitsdaten erfasst und in wissenschaftlichen Studien ausgewertet. Ziel dieser Forschung ist es, die Lebensqualität von Menschen mit HIV zu verbessern. Die gewonnenen Erkenntnisse tragen dazu bei, HIV-Therapien weiterzuentwickeln, Nebenwirkungen zu verringern und auch psychische Belastungen besser sichtbar zu machen. Durch ihre Teilnahme an der SHCS leisten Menschen mit HIV einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der medizinischen Versorgung – für sich selbst und für andere.

Gemäss den Empfehlungen der EASL wird mindestens 150 Minuten moderate körperliche Aktivität pro Woche empfohlen, etwa zügiges Gehen, Velofahren oder Schwimmen, oder alternativ 75 Minuten intensive Aktivität wie Joggen oder Fitnesstraining. Ergänzendes Krafttraining ist sinnvoll. Zudem sollte langes Sitzen möglichst vermieden werden, indem man regelmässig aufsteht und sich bewegt.

Quelle:
Riebensahm C. et al. Decreased physical activity and prolonged sitting time are associated with liver steatosis in people with HIV. Journal of Acquired Immune Deficiency Syndromes. 2024;44(1):169–179. doi:10.1097/QAI.0000000000003328. PMID: 379886.